Hintergründe
Neubau von Kohlekraftwerken in Deutschland

In keinem westeuropäischen Land werden gerade so viele neue Kohlekraftwerke gebaut und geplant wie in Deutschland. E.ON baut gerade ein neues 1050 Megawatt-Kraftwerk am Standort Datteln (6,5 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr) und plant weitere am Standort Staudinger bei Hanau/Großkrotzenburg (1100 Megawatt, 6,2 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr) und in Wilhelmshaven (500 Megawatt, 2,2 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr). Indirekt beteiligt ist E.ON weiterhin an den Plänen für ein Kohlekraftwerk in Dörpen.
In Datteln musste E.ON kürzlich eine Schlappe einstecken: Das Oberverwaltungsgericht Münster entschied, dass der Bau nicht mit den Vorgaben hinsichtlich ressourcen- und klimaschützender Energienutzung in Einklang sei. Ob der Bau ganz gestoppt werden muss, ist im Moment offen.
BI Stopp StaudingerE.ON in Großbritanninen
In Großbritanninen will E.ON am Standort Kingsnorth nahe der Stadt Kent das erste neue Kohlekraftwerk seit Jahrzehnten bauen. Dagegen hat sich eine breite Kampagne gebildet. Auch populäre Klimawissenschaftler wie der Ökonom Nicolas Stern oder der NASA-Wissenschaftler James Hansen sprachen sich in der Vergangenheit gegen den Neubau aus, 2008 besuchte das britische Klimacamp den Kraftwerksstandort.
Der Neubau sollte nur der erste von insgesamt acht geplanten neuen Kohlekraftwerken im vereinigten Königreich werden - jedoch konnte bislang durch die breiten Proteste der Baubeginn verhindert werden.
Im März 2009 forderte E.ON gemeinsam mit dem französischen Staatskonzern EdF die britische Regierung auf, die Ausbauziele für Windenergie zu reduzieren. Selten zeigte sich so deutlich, dass der Neubau fossiler und atomarer Großkraftwerke im direkten Konflikt mit der dringend notwendigen Umstellung auf erneuerbare Energien steht.
No new coal - Kampagne des World Development Movement gegen Kingsnorth
E.ON F.OFF - Kampagne des Klimacamps gegen E.ON
Don't build Kingsnorth - Kampagne gegen die am Bau potentiell beteiligten Firmen
E.ON-Kohle in Holland und Belgien
Im Hafen Maasvlakte in Rotterdamm baut E.ON ein 1100 Megawatt-Kohlekraftwerk. Der Bau eines weiteren 1100 Megawatt-Kraftwerks soll 2010 im belgischen Antwerpen beginnen.
Saubere Kohle?
Egal wo, überall wo sich Menschen gegen den Neubau von Kohlekraftwerken wehren, wird ihnen das Argument entgegengebracht, neue Kohlekraftwerke seien "sauber" und "hocheffizient", damit quasi bereits ein Beitrag zu mehr Klimaschutz. Und das CO2-Problem hätte man ja sowieso dank CCS (Carbon Capture and Storage, Abscheidung und Speicherung von CO2) gelöst.
Die Wahrheit ist: Auch neue, "hocheffiziente" Kohlekraftwerke erreichen maximal einen Effizienzgrad zwischen 40% und 50% (zum Vergleich: Gaskraftwerke haben einen Effizienzgrad von bis zu 80%).
Die CCS-Technologie existiert bislang nur auf dem Papier. Ob sie jemals funktionieren wird, steht in den Sternen, frühestens in 10 bis 20 Jahren kann damit gerechnet werden. Es gibt bislang praktisch keine Abschätzungen über potentielle Risiken von CO2-Einlagerung im großen Maßstab. Keines der momentan von E.ON gebauten oder geplanten Kohlekraftwerke wird mit CCS-Technologie gebaut. Wenn E.ON dies behauptet, ist damit gemeint, dass die Kraftwerke eventuell später nachgerüstet werden können - falls die Technologie funktioniert.
Kein Sicherheitsrabatt für CO2-Speicher - Hintergrundinformationen zu CCS
Fennovoima-Kraftwerk in Nordfinnland
Das Firmenkonsortium Fennovoima, an dem E.ON zu einem Drittel beteiligt ist, plant in Nordfinnland den Neubau eines Atomkraftwerkes. Was in Deutschland nicht mehr durchsetzbar wäre, versucht E.ON nun in anderen Ländern.
Doch auch in Finnland ist die Stimmung für die Atomwirtschaft nicht mehr die Beste - der Kraftwerksneubau in Olkiluoto ist inzwischen vor allem für seine Pannen bekannt.
Ydinverkosto - Netzwerk gegen Atomkraft in Nordfinnland und Lappland



